Donnerstag, 17. Januar 2013

Auf amazon könnt ihr,wenn ihr auf das Cover der ebook-Version klickt, die ersten 30 Seiten probelesen. Hier ein kleiner Ausschnitt, der später im Roman stattfindet.



Robert stapfte wutentbrannt den Feldweg entlang. Ein Ziel hatte er nicht, außer dem, seiner Wut Herr zu werden. Wie sie ihn gerade angesehen hatten! Der arrogante Wicht hatte ihn von seiner Kutsche aus gemustert, als hätte er irgendein Gewürm vor sich. Und Katrin! Saß stolz neben ihm auf dem Kutschbock und sah ebenfalls auf ihn hinunter. Und tat so, als würde sie ihn nicht kennen. Ach was, als wäre er gar nicht da! Dieses verdammte Luder. Robert sah sich um. Am liebsten hätte er auf irgendetwas eingeschlagen, aber es gab weit und breit keinen Gegenstand, an dem er seine Wut hätte auslassen können. Zornig lief er weiter. Zum Narren hatte sie ihn gehalten, um dann mit ihrem reichen, vornehmen Verehrer in dessen Kutsche spazieren zu fahren, ihm schöne Augen zu machen und mit ihm rumzuturteln. Sie hatte ihm ja praktisch auf dem Schoß gesessen, so hatten sie aneinander geklebt. Und dann hatte dieser Kerl sich auch noch an ihrem Mund zu schaffen gemacht. Robert blieb stehen und schloss einen Moment die Augen. Er musste sich unbedingt beruhigen. Das letzte Mal, als ihn ein Mädchen für dumm verkaufen wollte, war es ihr schlecht bekommen, weiß Gott. Soweit durfte er es nicht kommen lassen. Robert lief wieder los. So konnte er keinem zu nahe kommen. Nicht, ehe er wieder klar denken konnte.

 

Sofia trat in die Pedale und versuchte, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Der arme Georg war völlig verstört gewesen, als sie gerade ihr Fahrrad aus dem Schuppen geholt hatte. Natürlich nahm sie sich seine Argumente zu Herzen. Er war nun einmal nicht damit einverstanden, dass sie heute zu ihren Eltern fuhr, nachdem ihr Vater sie so beschimpft hatte.

Und natürlich hatte er Recht damit, dass der Mann die Hosen anhatte in der Familie und sie sich zu fügen hatte, wenn Georg das wünschte. Zumindest meistens. Aber er musste doch Verständnis dafür haben, dass sie sich überzeugen musste, dass Papa ihr nicht mehr zürnte und auch Mama nicht ihretwegen zur Schnecke gemacht worden war. Außerdem war Sofia eingefallen, dass ja Karl heute seine Ausfahrt mit Katrin gemacht hatte und sie brannte darauf, zu erfahren, wie der Tag verlaufen war. Sie war auch bereit, über Katrins damaliges unvernünftiges Verhalten hinwegzusehen. Schließlich war es ja doch noch zu einer Verabredung gekommen.

Sofia malte sich gerade vornehme Zusammenkünfte der beiden Schwestern mit ihren gut betuchten Gatten in einem hübschen Kaffeehaus aus, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Ein paar Meter neben ihr stapfte Kalter durch das Wäldchen, an dem sie gerade vorbeifuhr. Sein Gesichtsausdruck ließ sie schaudern, doch zum Glück schien er sie nicht zu bemerken. Er bückte sich, nahm sich einen Stock und schlug wutentbrannt auf einen Baum ein.

Fasziniert blieb Sofia mit ihrem Fahrrad an Ort und Stelle stehen. Beim zweiten Schlag zerbrach der Stock, und mit einem zornigen Laut holte Kalter aus, um mit voller Wucht seine Faust in den Baumstamm zu rammen. Schwer atmend blieb er mit gesenktem Kopf vor dem Baum stehen. Der Wutausbruch schien vorüber, doch Sofia zitterte vor Schreck. Sie musste irgendeinen Laut von sich gegeben haben, denn plötzlich hob er den Kopf und sah in ihre Richtung. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Sofia stieg auf ihr Fahrrad und machte, das sie wegkam.

Sie hatte es gewusst, dass mit diesem Kalter nicht gut Kirschen essen war. Wer oder was immer ihn so erzürnt hatte, tat gut daran, ihm nicht in die Quere zu kommen. Der Mann hatte sie doch nicht alle. Sofia lief es kalt den Rücken runter, wenn sie an das Bild dachte, dass sich ihr gerade geboten hatte. Unbewusst fuhr sie noch schneller und bekam beinahe die Kurve nicht, als sie in den Hof einbog.

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